Mea on tour

Monday, May 27, 2002

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Es war Montag morgen und Mea war gerade erst aufgestanden. Sie überlegte, was gestern geschehen war, denn früh morgens war sie immer ein wenig schwer von Begriff. Besonders an diesem Morgen. Gerade hatten die Pfingstferien ihr Ende genommen und die Schule sollte heute wieder beginnen. Mea hatte überhaupt keine Lust auf Schule heute. Ehrlich gesagt hatte sie das nie, aber das war meistens das erste, an das sie morgens dachte. Sie stand auf und ging duschen. In einer halben Stunde würde Shera, ihre beste Freundin, sie abholen.
Shera war noch nicht lange ihre Freundin, denn sie kannte sie erst seit kurzer Zeit. Genauer gesagt einem Jahr, doch sie hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Sehr gelegen kam es da natürlich auch, daß Shera Meas Nachbarin war und sie so jeden Tag Punkt halb acht zur Schule abholte. Leider waren sie nicht zusammen in einer Klasse, dennoch trafen sie sich jede Pause am Eingang mit ihren Freunden.
„Hast du nicht gleich Musik?“, fragte Shera, als sie endlich in die Schule eingelassen wurden. „Ja. Leider darf ich wieder neben meiner Lieblingsfreundin sitzen! Andrea! Ich muß mal kurz kotzen!“, antwortete Mea mit einem gezwungenen Lächeln. Darauf verabschiedete sich Shera und rannte in Richtung Klassenraum. Mea ging noch kurz zum Vertretungsplan, um schauen zu gehen, ob Doppelstunde Sport ausfallen würde, doch umsonst.
Der Grund warum Mea und Andrea sich nicht mehr riechen konnten, war ein ganz simpler. Vor nicht alzulanger Zeit waren die beiden noch die besten Freunde. Das änderte sich schnell als Andrea meinte, sie müßte sich unbedingt Meas Lieblings- Computerspiel brennen. Dies wollte Mea aber nicht, da dieses Spiel 80DM (ca. 40 €) gekostet hatte. Nachdem Andrea den tödlichen Satz ausgesprochen hatte, war die Sache mit der Freundschaft gegessen und die beiden lieferten sich von da an einen unerbittlichen Konkurrenzkampf. Und dieser tödlicher Satz war dieser:
„Wozu habe ich denn sonst eine Freundin!“
Mea fluchte kurz und machte sich dann kurzerhand auf den Weg zum Musikraum im Altbau. Dort erwarteten sie schon ihre geliebten Klassenkameraden. Nach ca. 3 Minuten kam dann endlich ihr Lehrer und ließ sie sich auf ihre Plätze setzten. Sie redeten über die ursprüngliche Nationalhymne von Haydn und mußten unter anderem beteiligte Musikinstrumente in den verschiedenen Variationen des Stückes raushören. Natürlich guckte Andrea mal wieder alles bei Mea ab und gab es dann als ihr Eigen aus. Gerne würde Mea Andrea mal zur Rede stellen, doch sie dachte nicht daran. Sie kannte Andreas Ziel. Sie wollte sich wieder einmal mit Mea zanken und nachher wieder als Unschuldslamm dastehen. Diesen Wunsch wollte Mea ihr natürlich nicht erfüllen und schwieg so.
Im Sportunterricht versuchte Andrea es dann wieder. Sie waren gerade am Einjoggen, als Andrea Mea plötzlich von der Seite anquatschte und meinte: „Na, machst du schon schwach? Was mich betrifft, gehe ich ja jeden Tag eine ganze Stunde im Wald joggen. Wollen wir das nicht mal zusammen machen? Dann kann ich dir zeigen, wie das richtig geht!“ Mea hätte sie umbringen können. Wie sie Andrea doch haßte!
Danach wurde ihnen noch Hochsprung beigebracht und sie mußten noch Fußball spielen.
Mea war viel zu erschöpft, um an diesen Tag noch Großes zu leisten, dennoch mußte sie heute noch in den Chor. Dort trieb sie wieder einmal ihrer nerviger Bruder in den Wahnsinn. Nicht nur, daß er während ein Mädchen aus dem Chor etwas vortrug Game Boy spielte. Nein, er mußte die Chorleiterin auch noch daran erinnern, daß Mea etwas vorsingen sollte. Mea haßte es, vor vielen Leuten zu singen, obwohl sie eine gar nicht mal so schlechte Stimme hatte. Sogar vor ihrer Familie war es ihr höchst peinlich, wenn sie ihre Lieblingslieder vorsang.
„Mea, wolltest du dich nicht darum kümmern, die Noten von deinem Lied zu finden?“, fragte ihre Chorleiterin freundlich. Doch Mea antwortete etwas geschauspielert: „Oh, das tut mir Leid. Ich habe noch keine Zeit dafür gefunden. Aber ich werde mich darum kümmern!“ „Das ist nett. Vielen Dank!“, bedankte sie sich im Voraus. Mea dachte sich nur mit einem Schmunzeln im Gesicht: „Von wegen!“ Diese Meinung änderte sich schnell, als sie plötzlich von ihrer Erzfeindin Lilli, auch im Chor, ganz verblüfft angeschaute wurde. Um nur dieses verdutzte Gesicht zu sehen, würde sich Mea sogar im Bikini in den Ballermann stellen und Hänschen Klein singen. Also nahm sie sich für morgen vor in die Bücherei zu setzten und sich die benötigten „Utensilien“ zu besorgen.
Nach diesem erlebnisreichen Tag legte sich Mea erschöpft in ihr Bett und schlief genüßlich ein, um sich morgen wieder über die blöde Schule zu aufzuregen.

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